«Rheinhattan»: Aufwertung heisst Verdrängung

Unter diesem Titel ist in der aktuellen Ausgabe des mozaik, der Quartierzeitung für das Untere Kleinbasel, ein Artikel von „Rheinhattan versenken!“ erschienen:

Im Klybeck regt sich Widerstand gegen die geplante Neubauinsel. Unter dem Namen «Rheinhattan versenken!» organisieren sich seit einigen Monaten Betroffene und Sympathisierende mit dem Ziel, das Grossprojekt zu verhindern – hierarchiefrei und ausserhalb staatlicher Gremien.

Die Aufwertung des ehemaligen Hafenareals würde indirekt zu einer Verteuerung des Klybecks und damit zu steigenden Mieten führen. Das Resultat wäre die Verdrängung derjenigen, die sich jetzt schon nach der Decke strecken müssen, und das Auseinanderbrechen der gewachsenen sozialen Strukturen im Quartier. Massenkündigungen, Totalsanierungen und Mieterhöhungen lassen sich hier bereits heute beobachten und würden mit dem Bau der Insel endgültig zur Normalität. Ein prestigeträchtiges Öko-Quartier («Greenhattan») würde daran nichts ändern: Es würde ebenfalls Verdrängung verursachen – abgesehen davon, dass der neue Wohnraum teurer als der bestehende wäre und damit alle mit wenig Geld per se ausschliessen würde.

Zusätzlich zum Wohnraum soll unter anderem ein neues Containerterminal gebaut werden, um im Hafen mehr Waren umschlagen zu können. Bezahlen sollen das die InvestorInnen, die man sich für «Rheinhattan» verspricht. Es geht um handfeste wirtschaftliche Interessen. So richtet sich die grenzüberschreitende «3Land-Vision» denn auch an die gut ausgebildete Mittel- und Oberschicht und nicht an jene, die bereits hier leben. Was es heisst, wenn ein Stadtteil für diese «guten Steuerzahler» umgebaut wird, lässt sich derzeit im St. Johann rund um den Novartis Campus beobachten (Robi-Spielplatz etc.).
 
Mitwirkung bleibt eine Farce
Um Proteste zu verhindern, hat die Verwaltung eine «Begleitgruppe» ins Leben gerufen, in der QuartierbewohnerInnen das Gefühl vermittelt wird, mitbestimmen zu können. Es wird über Details diskutiert, die wichtigen Entscheidungen werden woanders getroffen. Fragen zum (Un-)Sinn des gesamten Projekts haben darin keinen Platz. Für wen ist dieses teure Neubauquartier und wer profitiert davon? Ist es nötig, immer mehr Waren zu produzieren und zu transportieren? Wie könnte eine Stadt jenseits ökonomischer Zwänge gestaltet werden, in der NachbarInnen sich gegenseitig helfen und frei über ihr Leben bestimmen können?
 
Schliessen wir uns zusammen, um uns gegen «Rheinhattan» zu wehren – damit wir alle hier wohnen bleiben können.

 

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